Disney beendet sein „Vault“-Programm und gibt Disney+ einen großen Schub im Streaming-Krieg

Disney+, der kommende Streaming-Dienst des Unternehmens, wird Disneys gesamten Katalog an Animationsfilmen zeigen und damit Disneys langjähriges „Vault“-Programm beenden. CEO Bob Iger teilte den Aktionären heute mit, dass Disney+ „irgendwann, ziemlich bald nach dem Start“ Filme zeigen wird, „die traditionell in einem ‚Tresor‘ aufbewahrt und im Grunde alle paar Jahre herausgebracht wurden.“

Das ist ein großer Politikwechsel für das Unternehmen, das bisher bewusst eine künstliche Verknappung seiner Filme durch extrem begrenzte Wiederveröffentlichungen geschaffen hat. Ein Film wie „101 Dalmatiner“ zum Beispiel konnte während der Erstveröffentlichung gekauft werden, bevor er für einen längeren Zeitraum in den „Tresor“ gelegt wurde. Disney hat diese Praxis eingeführt, um den eigenen Markt zu kontrollieren und die Nachfrage zu steigern, wenn es eine Neuauflage eines alten Klassikers veröffentlicht. Aber die Politik hat zu frustrierten Kunden geführt, die oft einen hohen Aufpreis für gebrauchte Blu-rays oder DVDs der Filme zahlen müssen, die gerade nicht verfügbar sind. Diese Tradition setzte sich auch bei Disneys digitalen Vertriebsplattformen fort. So ist zum Beispiel selbst bei Disneys Live-Action-Film Aladdin, der demnächst erscheint, der Animationsfilm nicht zum Streaming oder digitalen Kauf verfügbar.

Disney hat derzeit 34 Filme in und aus dem Tresor, von den beliebtesten Filmen des Unternehmens, wie Der König der Löwen und Die Schöne und das Biest, bis hin zu Direct-to-Video-Fortsetzungen wie Bambi II und Die kleine Meerjungfrau II: Rückkehr zum Meer. Obwohl 34 Filme vielleicht nicht genug sein mögen, um unsichere Abonnenten zu überzeugen, die möglicherweise bereits 10 Dollar pro Monat für ein Netflix-Abonnement und zusätzliche Dollar für andere Streaming-Dienste ausgeben, ist es ein ziemlich großer Deal für Disney-Fans, die nicht bereits die komplette Bibliothek besitzen.

Disney setzt stark auf Exklusivität. Deshalb hat sich das Unternehmen auch dazu entschlossen, 150 Millionen Dollar in die Hand zu nehmen, um seine Filme von Netflix zu entfernen. Disneys generationenübergreifende Markenbekanntheit ist eine wichtige Stütze in seiner Geschäftsstrategie. Die Filmbibliothek des Unternehmens, sowohl Live-Action- als auch Animationsfilme, ist für konkurrierende Streaming-Dienste nahezu unschlagbar. Während Netflix und Hulu Originalinhalte erstellen, sind sie zu neu, um Titel mit dem Gewicht der Disney-Geschichte zu haben. In der Zwischenzeit bereitet sich AT&T darauf vor, seinen eigenen Streaming-Dienst über WarnerMedia zu starten, und stützt sich dabei stark auf den Content-Backlog von HBO, was ebenfalls ein wichtiges Verkaufsargument sein könnte. Aber diese Inhalte sind möglicherweise nicht exklusiv für WarnerMedia. Sie könnten immer noch an andere Dienste, wie Amazon Video, lizenziert werden.

Disney-Filme werden bald nur noch auf Disney+ zum Streamen verfügbar sein – nicht auf YouTube, Netflix oder sogar Disneys TV-Kanälen. Von Disney-Diehards, die sich ihre Lieblingsfilme noch einmal ansehen wollen, bis hin zu Eltern, die ihre Kinder an ihre Kindheitslieblinge heranführen wollen, werden Fans zu den vorhandenen physischen Heimvideomedien oder Disney+ greifen müssen. Ein neuer CNBC-Bericht legt den Wert dieser Exklusivität dar.

„Unser Vertrauen in den dauerhaften Erfolg von Disney+ kommt von der unübertroffenen Markenbekanntheit des Unternehmens, dem umfangreichen Premium-Inhalt und dem unvergleichlichen Ökosystem zur Vermarktung des Dienstes“, sagte Analystin Alexia Quadrani gegenüber Investoren, wie CNBC berichtet.

Die Reaktion auf Twitter verstärkte die Vermutungen der Investoren und die Hoffnungen der Disney-Führungskräfte. Angesichts von Igers Versprechen, dass der Dienst „wesentlich weniger“ als Netflix kosten wird, wenn er startet, scheint die Tresor-Ankündigung ein einfacher Weg zu sein, eine erste Abonnentenbasis zu generieren.

Iger bestätigt, dass der gesamte Disney-Tresor Teil von Disney+ sein wird.
My wallet is out.

– Scott Gustin (@ScottGustin) March 7, 2019

Ok, wenn der gesamte Disney Vault auf Disney+ sein wird, muss ich es jetzt vielleicht ernsthaft in Betracht ziehen.

– Tina (@EmpressTina) March 7, 2019

(very Christopher from the Sopranos voice)
Of course I’m gettin‘ the Disney streaming service! Machst du Witze? Er wird alle Tresor-Filme haben! Weißt du, was gerade im Disney Tresor ist? Der verdammte Aladdin. Raus hier!

– anne victoria clark (@annevclark) March 7, 2019

Disney bricht den Tresor auf, um buchstäblich alles auf Disney+ zu bringen? Damit kann ich mich anfreunden. Break the Disney Vault!

– Aaron H. (@Cyber_Fox_) March 7, 2019

Disney setzt nicht nur auf seinen Katalog an älteren Filmen. Das Unternehmen plant auch, Live-Action-Serien von beliebten Franchises wie Star Wars, Marvel, High School Musical und Monsters, Inc. zu produzieren. Aber das Versprechen von Aladdin, Der König der Löwen, Dumbo und Die kleine Meerjungfrau zu haben, ist ein entscheidender Vorteil. JPMorgan wettet laut CNBC darauf, dass Disney irgendwann 160 Millionen Abonnenten weltweit haben wird, mehr als Netflix mit derzeit 139 Millionen.

Disney hat noch keinen Starttermin oder genauen Preispunkt für seinen Service, aber es wird erwartet, dass mehr Informationen vom Investorentag des Unternehmens am 11. April kommen.

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